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Der Preis der Freiheit

Veröffentlicht: 24. Mai 2010 in lernen, matura, reifeprüfung, schule

lautet der Artikel von Werner Wintersteiner in DER DEUTSCHUNTERRICHT 1/2010 ( S 62 – 70), der sich mit der Rolle der Deutschdidaktik in Österreich im Spannungsfeld zwischen Schule und Ministerium im Zusammenhang mit der neuen teikzentralen Reifeprüfung beschäftigt.
Da ich voraussichtlich nächstes Schuljahr KV und Deutschlehrerin einer 5. Klasse AHS sein werde, beschäftigt es mich auch – sogar zwischen den Pfingstfeiertagen ;-( und Talis-Studien-Auswertungen.
Eine Kollegin hat mir vor kurzem glaubhaft versichert, dass die DidaktikerInnen an der Uni Klagenfurt „gute Leute“ (Zitat!) seien und dass wir und darauf verlassen könnten, dass etwas Praktikableres oder Besseres als die bisherige Matura dabei herauskommen könnte. Leicht scheinen sie es aber auch nicht zu haben, denn schon während der Analyse von bestehenden Systemen und der Erarbeitung von Vorschlägen

tauchten bald Hindernisse auf: So mussten wir feststellen, dass die ministerielle Steuerungsgruppe bereits weitergehende inhaltliche Festlegungen traf, noch ehe die Arbeitsgruppe (die DidaktikerInnen, die Autorin) ihre endgültigen Resultate vorlegen konnte. (S 63)

Aber zumindest sind sie schon einmal in die Vorbereitung eingebunden. Allerdings wird immer noch gearbeitet (was gut ist), aber wir LehrerInnen, die wir im Herbst doch Bescheid über das Kompetenzmodell, das entwickelt wird, wissen sollten, haben noch nichts in der Hand (was schlecht ist).

Es freut mich ja, dass meine Bedenken bei der ExpertInnengruppe gut aufgehoben sind:

  • Es muss sichergestellt werden, dass die zentrale Vorgabe der Themen mittelfristig nicht zu einer Einschränkung in der Wahl der aktuellen Literatur oder der, über die die Lehrenden besonders gute Kenntnisse haben, kommt. Wintersteller nennt das „teaching for the test“. So einen Lehrplan im Lehrplan halte ich nicht für wünschenswert.
  • Es dürfen nicht zu viele Spezialkenntnisse vorausgesetzt werden – Kompetenzen sehen anders aus.
  • Ich wünschte, sie wären in ihrer Arbeit schon weiter.

Und ich möchte, dass mir jemand erklärt, warum die Vergelichbarkeit der Abschlüsse so wichtig ist. Nicht, dass ich Vergleichbarkeit grundsätzlich für falsch halte.  Aber wir wissen heute nicht, welchen Fähigkeiten unsere Kinder in der sich so schnell verändernden Welt wirklich benötigen werden. Und ob da eine größtmögliche Pluralität in der Ausbildung nicht auch etwas für sich hat.

Wie hoch wird der Preis sein, den unsere Kinder zu zahlen haben – dafür dass wieder ein Stück Freiheit aufgegeben wird?

Der derzeitige Diskussionstand für die neue Reifeprüfung, die ab dem Schuljahr 2013/14 lt, den Angaben des bmu:kk so stattfinden soll (Eine lange Erklärung zu den Bildern gibts da>>>>)